Sonja Vordermaier

Um meine Seele lagen dun­kle Schat­ten,
Die immer düsterer sie eingeengt
Gle­ich schw­eren, schwarzen Raben­schwin­gen hat­ten;
Und hoff­nungs­los im Inner­sten bedrängt,
Umrauschte sie vom fer­nen Styxges­tade
Ein Luftzug, der sich tödlich niedersenkt. […]

[Kaiserin Elis­a­beth „Sissi“ von Öster­re­ich: „Schatten“]

Sonja Vordermaier: Schatten 28

Sonja Vordermaier: Schatten 28

Sonja Vor­der­maier: „Schat­ten 28“

Sonja Vordermaier: Schatten 2

Sonja Vordermaier: Schatten 2

Sonja Vor­der­maier: „Schat­ten 2“

Kat­a­log zum Hec­tor Kun­st­preis 2006: Schat­ten
Peter Funken: Über Sonja Vor­der­maiers Skulp­tur „Schat­ten 2“, als Kunst­werk des Hybri­den und Dystopischen.

Willem de Kooning

And let my dying words be bet­ter with you
Than my dull liv­ing actions; if you aime
At the dear life of this sweet Inno­cent,
Y’are a Tyrant and a sav­age Mon­ster;
Your mem­ory shall be as foul behind you
As you are liv­ing, all your bet­ter deeds
Shall be in water writ, but this in Mar­ble
:
No Chron­i­cle shall speak you, though your own,
But for the shame of men.

[Fran­cis Beau­mont, John Fletcher: „Phi­laster“, Akt V, Szene 1]

Willem de Kooning: "Whose name was writ in water"

Willem de Koon­ing: „Whose name was writ in water“

Here lies one whose name was writ in water.

[Inschrift des Grab­steins von John Keats]

Keats et de Koon­ing: Pour un roman­tisme expres­sion­niste abstrait ou la mise en image de l’épitaphe

Πάντα χωρεῖ καὶ οὐδὲν μένει

(„Alles bewegt sich fort und nichts bleibt.“ bzw. „Man kann nicht zweimal in densel­ben Fluß steigen.“) – Pla­ton, nach Heraklit]

Gle­ich mit jedem Regen­gusse
Ändert sich dein holdes Tal,
Ach, und in dem sel­ben Flusse
Schwimmst du nicht zum zweitenmal.

[Goethe: „Dauer im Wechsel“]

Marilyn Manson

HAMM: Last night Ⅰ saw inside my breast. There was a big sore.
CLOV: Pah! You saw your heart.

[Samuel Beck­ett: „Endgame“]

Marilyn Manson: Sympathy generator

Mar­i­lyn Man­son: „Sym­pa­thy generator“

Vija Celmins

Die Lust wird hier, selbst bei heit­erem Son­nen­schein, auch in diesem Monat unaufhör­lich durch frische Seewinde abgekühlt, die das Meer bald nur lieblich kräuseln, bald in hohen Wellen bewe­gen. Dieser Anblick des Meeres ist für mich hier das­jenige, was dem Aufen­thalt seinen eige­nen Reiz gibt. Ich besuche den Strand gewöhn­lich jeden Tag mehr als ein­mal außer dem Baden und oft auf Stun­den. So ein­fach die Bewe­gung des Meeres scheint, so ewig anziehend bleibt es, ihr zuzuse­hen. Man kann es nicht mit Worten aus­drücken, was einen ger­ade daran fes­selt, aber die Empfind­ung ist darum nicht weniger wahr und dauernd. Viel trägt gewiß die Uner­meßlichkeit der Erschei­n­ung, der Gedanke des Zusam­men­hanges des einzel­nen Meeres, an dessen Küste man steht, mit der ganzen, Welt­teile auseinan­der hal­tenden Masse bei. Diese malt sich wirk­lich, kann man sagen, in jeder einzel­nen Welle. Das Dun­kle, Uner­gründliche der Tiefe tut auch das ihrige hinzu, und nicht bloß das der Tiefe, son­dern auch das Unerk­lär­liche, Unver­ständliche dieser wilden und uner­meßlichen Massen der Luft und des Wassers, deren Bewe­gun­gen und Ruhe man weder in ihren Ursachen, noch in ihren Zwecken ein­sieht, und die doch wieder ewigen Geset­zen gehorchen und nicht die ihnen gezo­ge­nen Gren­zen überschre­iten. Denn die bewegtesten Wellen des Meeres laufen in spie­len­den Hal­bkreisen schäu­mend auf dem flachen Lande aus.

[Wil­helm Hum­boldt: Briefe an eine Fre­undin (Norder­ney, 26. Juli 1831)]

Vija Celmins: Ohne Titel (Big Sea #1)

Vija Celmins: Ohne Titel (“Big Sea #1″)

Vija Celmins: Ohne Titel

Vija Celmins: Ohne Titel

Vija Celmins: Ocean Surface 1

Vija Celmins: „Ocean Sur­face 1“

Frieze: Vija Celmins
Art21: Inter­view mit Vija Celmins – „Build­ing Sur­faces“
NYT (März 1983): The sea and stars as seen by Vija Celmins

Otto Mühl

Der in Bast­decken eingeschla­gene Gegen­stand, den die drei Män­ner von der Brücke ins Eis­loch gewor­fen hat­ten, war der Leich­nam des ermorde­ten Rasputin. Um diesen übermen­schlich zähen und starken Bauern zu töten, mußte ihm Zyankali in den Wein getan, je eine Revolverkugel in die Brust, in den Rücken und in den Nacken gejagt und schließlich der Schädel mit einem Totschläger zer­schmettert wer­den. Und doch wurde bei der ärztlichen Unter­suchung der Leiche, als man sie nach vierundzwanzig Stun­den aufge­fun­den und aus dem Wasser gezo­gen hatte, fest­gestellt, daß Rasputin erst unter dem Eise der Moika zu atmen aufge­hört hatte.

[Lew Tol­stoi: „Höl­len­fahrt“, XXXII. Kapitel]

Otto Mühl: Rasputin II

Otto Mühl: „Rasputin II“

Dem ein­fachen Bauern­sohn und Wan­der­predi­ger Rasputin, der durch seine bar­barische Gestalt und ein­nehmende Aura bekannt und auf­grund seiner wun­der­samen Heilkräfte am Zaren­hof geschätzt war, wurde bald eine Affäre mit der Zarin nachge­sagt, was neben seinen ausufer­n­den Exzessen und Orgien das Anse­hen des Hofes immer weiter beschmutzte und schlussendlich zu einem Bruch quer durch die Gesellschaft führte, welcher in dem Mord an Rasputin gipfelte. Seinem Tod lange ent­ge­gense­hend, warnte er oft den Zaren: „Wenn ich sterbe oder wenn ihr mich fallen lasst, werdet ihr euren Sohn und die Krone ver­lieren, bevor sechs Monate ver­gan­gen sind.“ Er sollte Recht behal­ten. Die Rev­o­lu­tion nahm ihren Lauf, das Zaren­re­ich ging unter.

Eine sehr merk­würdige Schilderung gibt er von Rasputin, den er per­sön­lich gekannt hat. Er sei ein ganz ehrlicher Bauer gewe­sen und schon mit zwölf Jahren bei Hofe angestellt als Lam­p­enanzün­der, der die vor den heili­gen Iko­nen bren­nen­den Lam­pen ansteckte. […] Zu Anfang sei Rasputin vol­lkom­men ehrlich und anständig gewe­sen. Dann habe ihn allmäh­lich der Hof kor­rumpiert. Die Damen seien ihm, als sie merk­ten, daß er Ein­fluß hatte, ger­adezu in die Hosen gekrochen. So sei er schließlich ein Wüstling und Schlem­mer gewor­den. […] Der Zar habe ihn „als Stimme der schwarzen Erde“ ange­se­hen. Was brauchte er eine Duma, wenn Rasputin ihm die Stimme des Volkes direkt übermit­telte? So sei allmäh­lich ein unge­heurer Ein­fluß ihm zuge­fallen und eine entsprechende Menge Neid und Feind­schaft gegen ihn ent­standen. Im Kriege sei er immer gegen den Krieg gewe­sen. Das habe den Haß Eng­lands und der Großfürsten-Partei noch gesteigert. Eng­land habe unge­heure Sum­men gegen ihn aufgewen­det. Let­zten Endes sei er immer der ein­fache Bauer und Lam­p­enanzün­der geblieben. Alles andere sei Romantik.

[Harry Graf Kessler, Tage­bücher 1918–1937, Ein­trag vom 12. Dezem­ber 1918]

Anish Kapoor, Francisco Infante-Arana

Sie woll­ten den Him­mel auf Erden niederziehen, und die Thoren hat­ten ihre Leit­ern nicht am Him­mel fest gemacht; darum thaten sie auch den großen Fall.

[aus Jere­mias Got­thelf: „Lei­den und Freuden eines Schul­meis­ters – Erster Teil“, 26. Kapitel]

Anish Kapoor: Sky mirror, red

Anish Kapoor: „Sky mir­ror, red“

Francisco Infante-Arana: aus der Serie Жизнь треугольника (Das Leben eines Dreiecks)

Fran­cisco Infante-Arana: aus der Serie „Жизнь треугольника“ (Das Leben eines Dreiecks)

Design­boom: Anish Kapoor „turn­ing the world upside down“ in Kens­ing­ton Gar­dens
Cas­tor & Pol­lux: Mir­ror, Mirror

Jacqueline Humphries

Denn hoch am stern­klaren Him­mel sur­rten spähende Flugzeuge, und aus weiter Ferne krachten dumpf die Schläge fal­l­en­der Bomben, die den Erdöl­lagern und Bohrtür­men galten.

[Hugo Marti: „Rumänis­ches Inter­mezzo“ (Fieber)]

Jacqueline Humphries: Ohne Titel

Jacque­line Humphries: Ohne Titel
Inter­view im BOMB Magazine

Taiyo Onorato & Nico Krebs

Das Aben­drot schien über das Bild, und wie sie es so mit rechtem Fleiß betra­chteten, da fin­gen auf ein­mal die gemal­ten Bäume an, leise zu rauschen.

[Joseph Frei­herr von Eichen­dorff: „Dichter und ihre Gesellen“, 24. Kapitel]

Taiyo Onorato & Nico Krebs: Graffiti

Taiyo Ono­rato & Nico Krebs: „Graf­fiti“

Unbekannt

Au même moment, Julie tombe à même le sol et hurle « ma tête, ma tête est coupée ».

[aus Sylvie Canat: „Vers une péd­a­gogie insti­tu­tion­nelle adaptée“]

Künstler und Titel unbekannt

Kün­stler und Titel unbekannt (schreib mir eine Mail, wenn du mehr weißt!)

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William Basin­ski: „Melan­cho­lia VII“

Duane Michals

Wer sel­ber scheinen will, wird nicht erleuchtet.

[Lao Tse: Tao Te King, aus dem 24. Spruch]

Duane Michals: The illuminated man

Duane Michals: „The illu­mi­nated man“

Doch wer kann unter­schei­den, ob das Licht der Erleuch­tung nicht der Schein der Verblendung ist?

 
Ganymed - ein Projekt von Castor und Pollux