Otto Mühl

Der in Bast­decken eingeschla­gene Gegen­stand, den die drei Män­ner von der Brücke ins Eis­loch gewor­fen hat­ten, war der Leich­nam des ermorde­ten Rasputin. Um diesen übermen­schlich zähen und starken Bauern zu töten, mußte ihm Zyankali in den Wein getan, je eine Revolverkugel in die Brust, in den Rücken und in den Nacken gejagt und schließlich der Schädel mit einem Totschläger zer­schmettert wer­den. Und doch wurde bei der ärztlichen Unter­suchung der Leiche, als man sie nach vierundzwanzig Stun­den aufge­fun­den und aus dem Wasser gezo­gen hatte, fest­gestellt, daß Rasputin erst unter dem Eise der Moika zu atmen aufge­hört hatte.

[Lew Tol­stoi: „Höl­len­fahrt“, XXXII. Kapitel]

Otto Mühl: Rasputin II

Otto Mühl: „Rasputin II“

Dem ein­fachen Bauern­sohn und Wan­der­predi­ger Rasputin, der durch seine bar­barische Gestalt und ein­nehmende Aura bekannt und auf­grund seiner wun­der­samen Heilkräfte am Zaren­hof geschätzt war, wurde bald eine Affäre mit der Zarin nachge­sagt, was neben seinen ausufer­n­den Exzessen und Orgien das Anse­hen des Hofes immer weiter beschmutzte und schlussendlich zu einem Bruch quer durch die Gesellschaft führte, welcher in dem Mord an Rasputin gipfelte. Seinem Tod lange ent­ge­gense­hend, warnte er oft den Zaren: „Wenn ich sterbe oder wenn ihr mich fallen lasst, werdet ihr euren Sohn und die Krone ver­lieren, bevor sechs Monate ver­gan­gen sind.“ Er sollte Recht behal­ten. Die Rev­o­lu­tion nahm ihren Lauf, das Zaren­re­ich ging unter.

Eine sehr merk­würdige Schilderung gibt er von Rasputin, den er per­sön­lich gekannt hat. Er sei ein ganz ehrlicher Bauer gewe­sen und schon mit zwölf Jahren bei Hofe angestellt als Lam­p­enanzün­der, der die vor den heili­gen Iko­nen bren­nen­den Lam­pen ansteckte. […] Zu Anfang sei Rasputin vol­lkom­men ehrlich und anständig gewe­sen. Dann habe ihn allmäh­lich der Hof kor­rumpiert. Die Damen seien ihm, als sie merk­ten, daß er Ein­fluß hatte, ger­adezu in die Hosen gekrochen. So sei er schließlich ein Wüstling und Schlem­mer gewor­den. […] Der Zar habe ihn „als Stimme der schwarzen Erde“ ange­se­hen. Was brauchte er eine Duma, wenn Rasputin ihm die Stimme des Volkes direkt übermit­telte? So sei allmäh­lich ein unge­heurer Ein­fluß ihm zuge­fallen und eine entsprechende Menge Neid und Feind­schaft gegen ihn ent­standen. Im Kriege sei er immer gegen den Krieg gewe­sen. Das habe den Haß Eng­lands und der Großfürsten-Partei noch gesteigert. Eng­land habe unge­heure Sum­men gegen ihn aufgewen­det. Let­zten Endes sei er immer der ein­fache Bauer und Lam­p­enanzün­der geblieben. Alles andere sei Romantik.

[Harry Graf Kessler, Tage­bücher 1918–1937, Ein­trag vom 12. Dezem­ber 1918]

Anish Kapoor, Francisco Infante-Arana

Sie woll­ten den Him­mel auf Erden niederziehen, und die Thoren hat­ten ihre Leit­ern nicht am Him­mel fest gemacht; darum thaten sie auch den großen Fall.

[aus Jere­mias Got­thelf: „Lei­den und Freuden eines Schul­meis­ters – Erster Teil“, 26. Kapitel]

Anish Kapoor: Sky mirror, red

Anish Kapoor: „Sky mir­ror, red“

Francisco Infante-Arana: aus der Serie Жизнь треугольника (Das Leben eines Dreiecks)

Fran­cisco Infante-Arana: aus der Serie „Жизнь треугольника“ (Das Leben eines Dreiecks)

Design­boom: Anish Kapoor „turn­ing the world upside down“ in Kens­ing­ton Gar­dens
Cas­tor & Pol­lux: Mir­ror, Mirror

Jacqueline Humphries

Denn hoch am stern­klaren Him­mel sur­rten spähende Flugzeuge, und aus weiter Ferne krachten dumpf die Schläge fal­l­en­der Bomben, die den Erdöl­lagern und Bohrtür­men galten.

[Hugo Marti: „Rumänis­ches Inter­mezzo“ (Fieber)]

Jacqueline Humphries: Ohne Titel

Jacque­line Humphries: Ohne Titel
Inter­view im BOMB Magazine

Taiyo Onorato & Nico Krebs

Das Aben­drot schien über das Bild, und wie sie es so mit rechtem Fleiß betra­chteten, da fin­gen auf ein­mal die gemal­ten Bäume an, leise zu rauschen.

[Joseph Frei­herr von Eichen­dorff: „Dichter und ihre Gesellen“, 24. Kapitel]

Taiyo Onorato & Nico Krebs: Graffiti

Taiyo Ono­rato & Nico Krebs: „Graf­fiti“

Unbekannt

Au même moment, Julie tombe à même le sol et hurle « ma tête, ma tête est coupée ».

[aus Sylvie Canat: „Vers une péd­a­gogie insti­tu­tion­nelle adaptée“]

Künstler und Titel unbekannt

Kün­stler und Titel unbekannt (schreib mir eine Mail, wenn du mehr weißt!)

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William Basin­ski: „Melan­cho­lia VII“

Duane Michals

Wer sel­ber scheinen will, wird nicht erleuchtet.

[Lao Tse: Tao Te King, aus dem 24. Spruch]

Duane Michals: The illuminated man

Duane Michals: „The illu­mi­nated man“

Doch wer kann unter­schei­den, ob das Licht der Erleuch­tung nicht der Schein der Verblendung ist?

Glenn Brown, Rembrandt van Rijn

Wilde zer­ris­sene Züge, jäh aus der Fin­ster­nis brechend, als bekäme die Nacht hier plöt­zlich sel­ber ein Gesicht.

[Peter Hille, zitiert in Fritz Droop: Pro­log für Hilles „Aus dem Heilig­tum der Schönheit“]

Glenn Brown: Layered portrait (After Lucian Freud) 8

Glenn Brown: „Lay­ered por­trait (After Lucian Freud) 8“

Glenn Brown: Layered portrait (After Lucian Freud) 7

Glenn Brown: „Lay­ered por­trait (After Lucian Freud) 7“

Glenn Brown: Layered portrait (After Lucian Freud) 9

Glenn Brown: „Lay­ered por­trait (After Lucian Freud) 9“

Glenn Brown: Layered portrait (After Rembrandt) 7

Glenn Brown: „Lay­ered por­trait (After Rem­brandt) 7“

Glenn Brown schichtet mith­ilfe des Com­put­ers bis zu fün­fzehn ver­schiedene Por­traits – Radierun­gen und Zeich­nun­gen – eines anderen Kün­stlers übere­inan­der und manip­uliert sie solange, bis ein syn­thetis­ches, ein neues Werk entsteht. Dieses wird dann gedruckt und kehrt somit zu seiner ursprünglichen, papier­nen Grund­lage zurück.

Obiges Zitat nimmt Bezug auf einen Ausspruch Hebbels, als er vor einem Rem­brandt stand:

Wilde, riesige Züge, her­vor aus der Fin­sterniß brechend,
Als bekäme die Nacht plöt­zlich hier selbst ein Gesicht.

[aus Friedrich Hebbel: „Gedichte“ (let­zter Band)]

Rembrandt van Rijn: Selbstportrait

Rem­brandt van Rijn: Selb­st­por­trait (1628)

art Mag­a­zin: Ein kreativer Dieb
Pres­se­text: Glenn Brown im Lud­wig­su­seum Budapest

René Magritte

Wer bist du, geheimnisvolles Phan­tom? Wer bist du, der mich reich beschenkt und keinen Dank erwartet? Lüfte deinen Schleier, Unbekan­nte! Ich will dir danken können!

René Magritte: L'invention de la vie

René Magritte: „L’invention de la vie“

John Bell

Er hat oft mit einem einzi­gen Pin­sel­strich die tief­sten Geheimnisse seiner Seele darin eingezeichnet.

[aus Hein­rich Heine: „Aus den Mem­oiren des Her­ren von Schn­abele­wop­ski“, erstes Buch, Kapi­tel XI]

John Bell: Getting theirs

John Bell: Get­ting theirs

John Bell: Thanksgiving

John Bell: Thanks­giv­ing

John Bell: Assumed bodily

John Bell: Assumed bodily

John Bell: Teamwork

John Bell: Team­work

John Bells Stu­dioblog: The whooly mammoth’s mighty absence
Quodli­bet­ica: An Archive, A For­est: John Bell, Ginny Maki, and Bran­den Martz at the Bell Museum of Nat­ural History

Mani festus

Ich will nicht mehr nur der stumme Rezip­i­ent sein, ich will in Diskurs treten. In mir bohrt der unbändige Drang, den Spieß umzu­drehen und selbst kün­st­lerisch zu arbeiten. Ideen quellen aus mir her­vor und doch weiß ich nicht, ob ich sie umset­zen kann.

Ein neuer Anstrich muss her. Für mich, für alles andere.

Ohne Titel, aus der Serie Observations on the cityscape of Reykjavík

Ohne Titel (“Obser­va­tions on the cityscape of Reykjavík“)

 
Ganymed - ein Projekt von Castor und Pollux